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Ford Mustang

Wir danken dem Herrn

Frisch frisiert, läuft das Muscle-Car von Ford zur Höchstform auf. Mit viel Hightech, aber wenig Manieren ausgestattet, liegt es jetzt am Reiter, den Mustang zu zähmen!

Man traut seinen Ohren kaum: Unglaublich, was für einen Radau der neue Mustang beim Start verursacht! Voluminös brüllt der V8 seinen Takt in die Umwelt, damit das Pony klarstellen kann, wer in dieserm Revier das sagen hat. Im Gegensatz zu diesem aggressiven Sound war der Klang des Vor-Facelift-Modells das reinste Schnurren. Viel Lärm um nichts? Mitnichten!

 

Das frisch gestriegelte Pony gehört nicht zu der Sorte, die vor Kraft kaum noch gehen kann. Ist die Strasse trocken, bringt der Small-Block seine Gewalt von 529 Nm sauber auf die Strasse. Die selber entwickelte Zehn-Gang-Automatik wechselt die Gänge blitzschnell oder butterweich, je nach Fahrstil. Einzig beim Kickdown hadert das Getriebe mit sich selber, schaltet in den dritten Gang, nur um dann festzustellen, dass es im zweiten noch brutaler vorwärts geht. Doch diese Eigenheit umgeht man, wenn vorher via Kippschalter der Sport-Modus angewählt wird.

Verbessertes Handling

Spätestens dann wird klar, dass der 2+2-Plätzer nicht nur ziemlisch macho-mässig aussieht, sondern auch ordentlich abliefern kann. Während sich der V8 um den Vorwärtdrang kümmert, sorgt die ziemich schwergängige und direkt übersetzte Lenkung dafür, dass man den wilden Hengt zielgenau pilotiert. Den überraschend hoch angesiedelten Grenzbereich verdankt man dem optionalen MagneRide-Fahrwerk. Dessen Dämpfer können ihre Straffheit jede Tausendstel-Sekunde anpassen und sorgen somit für weniger Roll-und Nickbewegungen des Fahrzeugs. Trotz eines hohen Gewichts von rund 1800 Kilo und einer Urgewalt, die an der Hinterachse zerrt, bleibt das Pony deutlich länger stabil, als man es vom Vorgänger gewohnt ist.

Respekt, bitte!

Wer in der Kurve zu früh aufs Gas steht, bringt das Heck aber nach wie vor relativ schnell quer. Das ESP unterbindet heikle Sitationen, erstickt leichte Powerslides aber nicht gleich im Keim. Wer meint, den Mustang im Griff zu haben, kann über den Track-Modus das Auto auf volle Attacke einstellen und wird mit einer traumhaften Gasannahme sowie Soundkulisse belohnt. Doch Vorsicht: Im Track-Modus sind die Zügel des reduzierten ESP unter Umständen länger als der Weg in die Mauer oder den Graben.

Zwei Gesichter

Wer es ohnehin wild treiben will, kommt mit dem unzivilisierten Sportler voll auf seine Kosten. Der Klang der Sportauspuffanlage lässt sich in vier Modi so laut einstellen, dass das Auto explizit auf die Bedienungsanleitung verweist. Mit der «Line Lock» genanten Funktion sind 15-sekündige Burnouts ein Kinderspiel, nur um danach im «Dragster»-Modus eine astreine Launch Control durchzuführen. In diesem Modus haut das Getriebe die Gänge derart roh rein, dass das Auto bei jedem Gangwechsel einen Sprung nach vorne macht! Ein riesen Gaudi – doch natürlich sind diese Spielerein offiziell auf öffentlicher Strasse nicht gestattet.

Doch der Mustang ist gar nicht so hormongesteurt. Überraschenderweise lässt er sich im «Quiet-Modus» sehr gesittet bewegen, sogar beim Motorstart hält sich das Muscle Car dann vornehm zurück. Auf der Autobahn verwöhnt das Coupé trotz rahmenlosen Scheiben mit verbüffend leisen Fahrgeräuschen und einer Horde an Assistenzsystemen. Der Ponyreiter darf auf die Unterstützung von Radartemponat, Spurhalteassistent sowie einem Notbremsassistenten rechnen. Gott sei Dank gibt es noch so ein Auto, das seine Vernuft so schnell ablegen kann. Und das zum unschlagbaren Preis von 53 400 Franken für den V8 mit Automatikgetriebe!

Text: Koray Adigüzel

Fotos: Ford

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26 Mär 2018