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Hyundai i30 N

Da wird Kim neidisch!

Nordkoreas Diktator hat nur seine Raketen zum Spielen, die Südkoreaner schlagen mit einer raketenschnellen Rennsemmel zurück: Der Hyundai i30 N ist dank seines turbogeladenen Vierzylinders mit 275 PS, straffem Fahrwerk und direkter Lenkung voll auf Krawall gebürstet. Und sein brachialer Sound könnte eine ganze Propagandakompanie übertönen.

Aufgewacht, Völker des Westens: Ein neuer Stern am Kompaktsportlerhimmel geht auf! Wie passend, dass unser Testwagen – nein nicht in Himmelblau – sondern in der Speziallackierung «Performance Blue» (800 Fr.) vorfährt. Wach sind spätestens jetzt auch die Nachbarn im Osten wie im Westen, denn das Dröhnen aus den beiden Endrohren des i30 N ist selbst im Stand nicht zu überhören. Nicht nur deshalb oder wegen der neckischen Aussenfarbe drückt so mancher sich die Nase am Fenster platt: Hyundai hat das Hochleistungsmodell der dritten i30-Generation optisch ordentlich herausgeputzt.

Neben der tiefergelegten Karosserie stechen die modifizierten Stossfänger vorn und hinten ins Auge. Den Kaskaden-Kühlergrill zieren darüber hinaus das N-Logo, rote Ziereinlagen prangen an Front und Heck. In roter Signalfarbe erstrahlen ausserdem die Bremszangen hinter den serienmässigen 19 Zöllern sowie die zusätzliche dreieckige Bremsleuchte im Heckspoiler. Nicht alle Neuerungen sind jedoch rein ästhetischer Natur: Die grösseren Lufteinlässe dienen der besseren Bremsenkühlung, die optimierte Luftführung soll Verwirbelungen um den Motor und die Radhäuser reduzieren. Der Heckdiffusor und -spoiler sorgen hingegen für besseren Abtrieb.

N wie Nordschleife

Zugegeben, man kann es fast schon nicht mehr hören, so oft wird von den Herstellern die legendäre Nordschleife als Gütesiegel bemüht. Auch die Hyundai-Entwickler haben hier unzählige Abstimmungsrunden gedreht. Aber egal, ob das N nun für «Nordschleife» steht oder doch für das koreanische Entwicklungszentrum Namyang – der i 30 N fährt sich einfach verdammt gut. Doch bevor wir beim Kurvenräubern ins Schwärmen geraten, stellen wir den hellblauen Fahrmodischalter links am Lenkrad auf Eco. Die positive Überraschung: So zugeschnürt und brav wirkt das Auto selbst im Spargang nicht. Klar, die Drehzahlen sind ein wenig gedrosselt und das Dröhnen, das beim Anlassen des Motors das ganze Auto erzittern lässt, weicht einem leisen Knurren. Aber abgesehen davon lässt sich der i30 trotzdem flott bewegen – das gilt ebenfalls für den Normalmodus.

Erst auf  «Sport» erwacht der schlummernde Geist des grossen N zum Leben. Und spätestens, sobald man den Button mit der Zielflagge betätigt, gibt es kein Halten mehr. Im N-Modus sind Motor, Lenkung, Dämpfer, Sperrdifferenzial und Klappensound voll angeschärft. Ein zweiter Klick auf den N-Button ruft das Setup-Menü auf, über das sich die Parameter einzeln anpassen lassen. Die zuschaltbare Gangwechsel-erkennung «Rev Matching» erhöht beim Schalten obendrein automatisch die Drehzahlen. Das ermöglicht kürzere Schaltzeiten ohne Leistungsverlust.

Feuchte Träume

Wer jetzt an Böses denkt, ist selber schuld. Wir sprechen natürlich vom Wetter, das sich bei den Testfahrten von seiner ekligen Seite zeigt. Wahrlich keine traumhaften Bedingungen: Beim Kavalier-start scharrt der i30 N denn auch zunächst mit den Rädern, bis die UHP-Reifen von Pirelli auf feuchtem Untergrund Grip finden. Dann marschiert der kleine Koreaner aber ohne Zugunterbrechung los, wie ein strammer Parteisoldat. Zack, zack, zack eilen wir im Laufschritt durch die sechs Gänge des herrlich knackigen und leicht-gängigen manuellen Getriebes. Trotz schlechter Witterungsbedingungen unterboten wir bei den Beschleunigungstests die Nullhundertwerte des Herstellers mit sechs Sekunden um immerhin ein Zehntel. Da wäre sicher noch mehr drin. Vor allem, da der drehfreudige Zweiliter-Turbo auf dem Prüfstand mit 282 PS und 420 Newtonmetern sogar deutlich mehr Power zeigte, als mit Overboost gefordert. Ein echter Hot Hatch!

Doch der Sprint auf der Geraden ist nicht die Königsdisziplin des Kompaktsportlers. In Kurven zeigt er sein wahres Können. Ungerührt wie ein buddhistischer Zenmeister lässt sich der kleine Koreaner um die Ecken jagen. Trotz kopflastiger Gewichtsverteilung und fast 1600 Kilo auf den Hüften bleibt er dabei lange neutral und schiebt nahe am Grenzbereich nur moderat über die Vorderräder. Das optimal regelnde ESP und das elektronische Sperrdifferenzial verhindern extreme Ausrutscher – selbst bei feuchter Fahrbahn. Ebenfalls erfreulich: Die Lenkung ist nicht nur direkt, sondern in allen Modi sportlich schwergängig. Sportlich-straff fällt auch das Fahrwerk aus. Das gilt ebenfalls, wenn die erstmals eingesetzten adaptiven Dämpfer nicht auf «Sport» stehen. Nicht jedermanns Sache, aber das gehört so, finden wir. 

Innen westliche Dekadenz

Von tristen Plastikwüsten ist schon der normale Hyundai i30 meilenweit entfernt. Der i30 N setzt da noch einen obendrauf – vor allem mit N-Exklusiv Pack (4910 Fr.), das neben der Aussenlackierung die einzige Option im Kompaktsportler darstellt. Erwähnenswert sind vor allem die sehr bequemen und gut Seitenhalt gebenden Ledersportsitze, die elektrisch verstellbar sind und sich – wie das Multifunktionslenkrad mit blauer Sichtnaht – beheizen lassen. Der Innenraum ist darüber hinaus mit Alu-Pedalerie, Zierelementen in Schwarz und Chrom-Applikationen sowie N-Logos im Lenkrad und den Sitzen aufgehübscht. Und irgendwo in den Armaturen ist auch der Soundgenerator versteckt, der den Klang des Motors zusätzlich verstärkt. Eigentlich unnötig, angesichts des genialen Auspuffsounds.

Was noch? Sicherheitstechnisch ist der i30 N voll auf der Höhe. Mit besagtem N-Exclusive Pack ist alles Wichtige an Bord – vom Spurhalteassistent mit Lenkeingriff über den Notbremsassistenten mit Fussgängererkennung bis zum Aufmerksamkeitswarner. Aber das ist bei einem Sportler schon die Kür. Unsere Pflicht ist es dagegen, auf den Verbrauch aufmerksam zu machen – nur, dass hinterher keiner sagt, wir hätten es nicht erwähnt: Mit 9,4 Litern lag der i30 N im Test gut zwei Liter über der Norm. Bis zu 13 Liter haben wir beim Messen verpulvert. Doch wieviel Treibstoff verbrennt wohl ein Raketentest im Japanischen Meer? Eben!

Michael Lux sagt

Golf GTI & Co. haben mit dem i30 N echte Konkurrenz bekommen. Punkto Motorisierung, Sound, Lenkung und Fahrwerk ist er nahezu perfekt und gleichzeitig verhältnismässig günstig. Wenn die Koreaner ihm jetzt noch eine kleine Abspeckkur verschreiben, ist alles gut.

Stärken

Der durchzugsstarke Turbo, das straffe Fahrwerk und die direkte Lenkung machen den i30 N zum echten Hot Hatch. Dazu passt der brachiale Sound aus den beiden Endrohren, der Tote zum Leben erweckt. Das Preis-Leistungs-Verhältnis kann sich sehen lassen.

Schwächen

Abgesehen vom seinem etwas hohen Gewicht und der frontlastigen Gewichtsverteilung gibt es fast nichts, was man nicht jedem echten Sportler ankreiden könnte: Ultraharte Federung, hoher Verbrauch – und etwas eingeschränkte Beinfreiheit im Fond.

Bilder: Vesa Eskola

Hinweis: Dieser Test stammt aus der Ausgae 01/2018. Detailliertere Messungen sowie ein Motorendiagramm finden sich im Heft. Die Ausgabe kann hier nachbestellt werden.

Technische Daten

Marke / Modell Hyundai i30 N 2.0 T-GDi
Preis Basismodell / Testwagen 36 990 CHF / 42 700 CHF
Motor 4-Zylinder, Turbobenziner, Direkteinspritzung, 1998 cm3
Leistung 202 kW/275 PS bei 6000/min
Drehmoment 353 Nm bei 1450–4700/min (Overboost 378 Nm)
Antrieb 6-Gang manuell, Vorderradantrieb
Beschleunigung 0-50 km/h, 0-100 km/h, 0-200 km/ 2,5 s – 6,0 s – 23,2 s
Vmax 250 km/h
Bremsweg min./max. 33,3 m / 35,2 m
NEFZ-Verbrauch 7,1 l/100 km, 163 g/km Energieeffizienzkategorie G
Test-Verbräuche 9,4 l 100 km (Mix), 6,6 l/100 km (ai-Runde), 13,3 l/100 km (Messungen)
Fahrwerk Vorn doppelte Querlenker, hinten Mehrlenkerachse
Lenkung Vorn McPherson, hinten Multilenkerachse, el. gesteuerte Gasdruckstossdämpfer
Leergewicht 1584 kg
Abmessungen Länge/Breite/Höhe 4335 mm / 1795 mm / 1447 mm, Radstand 2650 mm
Kofferraum 381–1287 l
Wendekreis 11,6 m
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13 Mär 2018